„Wir leben einen Trend zur Elektrifizierung.“ – im Gespräch mit dem ZVEI

Das neue ElektroG steht in den finalen Zügen der Novellierung. Zentraler Punkt der Diskussionen um die Änderungen ist immer wieder die Sammelquote von Elektro-Altgeräten zur Erreichung der Klimaziele. Erneut heißt es aktuell: die Quote wurde verfehlt.

Wie aussagekräftig ist die Sammelquote?

Nehmen wir das aktuelle Beispiel: 2019 ist der WEEE-Rücklauf um 10% gestiegen; der Absatz von EEE aber ebenfalls. Und somit bleibt die Sammelquote nahezu unverändert, trotz einer gestiegenen Rücklaufquote bei den Elektro-Altgeräten. Und noch ein konkretes Beispiel: Photovoltaik-Anlagen haben eine Lebensdauer von 10-15 Jahren. Für die Berechnung der Sammelquote werden aber nur drei aufeinanderfolgende Jahre ins Verhältnis gesetzt. Von daher bleibt die Aussagekraft der Sammelquote bei E-Schrott beschränkt, zumindest in der aktuellen Form der Berechnung.

Weiß man denn, was mit den restlichen Elektro-Altgeräten passiert?

Das ist eine gute Frage. Inoffizielle Sammlungen, Beraubung und der Export von Altgeräten sind tatsächlich Wege für Altgeräte. Auch kommt es vor, dass Endanwender Altgeräte nicht richtig entsorgen. Schließlich werdenB2B-Geräte oft ordnungsgemäß verwertet aber nicht immer vom Reporting erfasst, weil die Rücknahmemöglichkeiten sehr divers sind. Die Hersteller tragen dazu bei, das Wissen über die richtige Entsorgung zu verbessern. Bereits seit Ende 2019 läuft die Informationskampagne der stiftung ear, der Gemeinsamen Stelle der Hersteller.

Wo besteht aus Ihrer Sicht noch der dringendste Handlungsbedarf in der Novellierung des ElektroG?

Änderungsbedarf sehen wir bei der Entnahme von Batterien. Wir fordern eine Präzisierung, dass sich die zerstörungsfreie Entnahme auf die Batterie bezieht und nicht etwa auf das Gerät. Sofern unabhängiges Fachpersonal die Entnahme vornimmt, soll dies laut Entwurf mit handelsüblichem Werkzeug möglich sein. Hier fordern wir, dass diese Vorgabe auf Altgeräte beschränkt wird. Ansonsten zeigt der vorliegende Entwurf des ElektroG verschiedene Ansätze, um den zuvor geschilderten Herausforderungen bei der Sammlung zu begegnen: Die Möglichkeiten zur Rückgabe sollen erweitert und die Informationspflichten ausgeweitet werden.

Sehen Sie noch weitere Stellschrauben außer der Sammelquote?

Wir kommen weg von der reinen Abfallbetrachtung. Selbstverständlich ist es wichtig, eine gute Infrastruktur zur Sammlung von Altgeräten zu haben, sowie Aufbereitungsanlagen zur Verfügung zu stellen, aber der Sinn wird erst richtig erkennbar, wenn wir in Richtung „Circular Economy“ denken.
Das ist nicht völlig neu. Schon heute sind Geräte reparierbar, Komponenten austauschbar und Altgeräte werden recycelt. Schauen wir aber in den Circular Economy Action Plan der EU, dann werden die Anforderungen deutlich weiter gehen. Erweiterte Reparaturmöglichkeiten, verlängerte Lebensdauern, der verpflichtende Einsatz von Rezyklaten oder die Bereitstellung umfassender Produktdaten sind nur einige der Vorschläge.

Was sagen denn die Hersteller dazu?

Elektro- und Elektronikgeräte sind Teil unseres Alltags. Und der Trend zur Elektrifizierung geht weiter. Hersteller bieten hierfür vielfältige Lösungen an. Wenn wir darüber reden, was Hersteller tun können, dürfen wir nicht nur an das Schließen von Kreisläufen denken, sondern auch an die Produktsicherheit und Konsumentenerwartungen. All diese Aspekte müssen schon bei der Konstruktion zusammen gedacht werden. Aber auch neue Geschäftsmodelle sind denkbar, zum Beispiel Leasing-Modelle oder Leihangebote. Und was wir nicht vergessen dürfen: Elektro- und Elektronikgeräte tragen zusammen mit Digitalisierung dazu bei, erneuerbaren Energien zum Durchbruch zu verhelfen und so die Ziele des EU Green Deal zu erreichen.

Das Interview wurde geführt mit Christian Eckert, Fachverbandsgeschäftsführer Batterien und Leiter Umweltschutzpolitik beim ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V..

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